DIE REISE DES VERGESSENS, 2012

Kunst im öffentlichen Raum

Eine Fotografie- und Videoinstallation

im öffentlichen Bus in Frankfurt.


Was passiert, wenn ich meine gewohnte Orientierung verliere? Wie geht es anderen Menschen damit? Begeben Sie sich, in einem von der Künstlerin Cornelia Rößler verfremdeten Stadtbus, auf eine ungewöhnliche Fahrt des Vergessens. Entdecken Sie durch eine Installation im Bus mit Fotografien und Videos ihre eigene Fahrt des Lebens, des Erinnerns und des Vergessens. Seit vielen Jahr beschäftigt sich Rößler mit den Denk- und Lebenswelten von Demenzkranken. Diese Erfahrungen spiegeln sich in der Gestaltung des Busses wider.

Es geht um das Thema Demenz, das in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist und dem auch eine Aktionswoche namens Kopfkarussell in Frankfurt vom 2. bis zum 15. Oktober 2012 gewidmet wurde.
In dieser Zeit konnte man in einen umgerüsteten, alten Linienbus steigen, bei dem man weder wusste, was einen drinnen erwartet, noch, wohin der Bus fährt.

Es sind Fotografien der Wohnräume von demenzkranken Menschen, die an den Fenstern zu sehen sind. Aus den Lautsprechern hört man die Stimmen der Bewohner, wie sie über ihre Krankheit sprechen. Obwohl die Betroffenen nicht sichtbar sind, bekommt der Betrachter einen Eindruck über ihr Leben.
Auf den Fotografien sind zum Teil auch Hilfestellungen, die den Betroffenen im Alltag gegeben wurden, zu sehen. Zum Beispiel zeigt ein Bild eine Küche, wo am Kühlschrank ein großer Zettel hängt: TRINKEN. Auf einer anderen Fotografie erkennt man eine Fensterbank auf der ein Wecker, eine Medikamentendose und ein Glas Wasser steht. So weiß der Demenzkranke, dass wenn der Wecker klingelt er mit dem Glas Wasser die Tablette nehmen muss.
Anschließend konnte der Besucher eine 15-minütige Fahrt mit dem Bus machen. Dabei wusste der Passagier nicht, wohin die Reise geht. Die Fenster wurden mit Vorhängen verschlossen und die Stimmen der Demenzkranken verstummten.
Wo gerade der Betrachter noch einen intensiven Einblick über Demenzkranke bekommen hat, tritt er nun selber eine Reise an, in der er seine eigene gewohnte Orientierung verliert.
Wenn der Busfahrer mit seiner Fahrt startet, starten auch die Filme. Vorne zeigt der Film den Blick aus der Frontscheibe des Busses und hinten den Blick aus der Heckscheibe.
Am Anfang sieht man in den Filmen die gleiche Umgebung, wie die der Busfahrt. Doch während der realen Busfahrt verändert sich die Fahrt im Film immer mehr. Wo vorher noch vertraute Orte, wie zum Beispiel die Frankfurter Messe, zu sehen waren, ziehen plötzlich unbekannte Orte an den Fahrgästen vorüber.

Bald waren die ersten Orientierungslosigkeiten bei den Passagieren zu spüren. Als zum Beispiel der Bus schnell fuhr, der Film aber eine rote Ampel zeigte, auf die wir in der Realität zu schnell fuhren, entstand bei den Passagieren eine leichte Panik. Der Bus fuhr in der Realität zu schnell, um noch rechzeitig an der roten Ampel im Film bremsen zu können. Obwohl die Passagiere wussten, dass der Film und die Realität in den Zeiten nicht übereinstimmen konnten, fiel es ihnen schwer ihre Gefühle zu kontrollieren.